ARD Themenwoche 2014 „Toleranz“

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MDR THÜRINGEN – Das Radio  Fr. 21. November 10 – 12 Uhr

Moderator: Matthias Haase

Radiointerview mit Mediator Friedemann Schlede  „Was kann Mediation leisten?“

Ohne schon alle Fragen zu skizzieren – hier doch einige:

Mediatoren sind Vermittler und versuchen, zwei Parteien gegensätzlicher Ansichten zusammenzuführen.
Inwiefern ist diese Form der Vermittlung auch von Toleranz abhängig?
Öffnen Sie als Mediatoren sozusagen tolerantem Denken die Tür?
Oder ist aus Ihrer Sicht Toleranz und „Bewegen des eigenen Standpunktes“ etwas Grundverschiedenes?

In der Mediation begegnen sich immer unterschiedliche Sichtweisen. Wollen sie zu einer Lösung des Konfliktes kommen müssen sie sich aufeinander zu bewegen.  Toleranz bedeutet in der Mediation sich  mit der eigenen Sichtweise und der des Konfliktpartners auseinanderzusetzen. Der Mediator moderiert und sorgt für ein tolerantes Zuhören. Da können auch Emotionen hoch kommen, aber dabei darf die Würde des Konfliktpartners nicht verletzt werden.  Wenn doch, dann wird diese Reaktion hinterfragt „Was macht sie jetzt so wütend, – wer, oder was hat sie so verletzt?“

Die Mediation läuft strukturiert ab und dabei wird  herausgearbeitet was hinter der erfahrenen Ungerechtigkeit steht.   Diese Sichtweisen werden wertfrei nebeneinander gestellt.  Interessen, Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse werden herausgearbeitet.  Nur wenn beide Parteien sich ernst genommen erfahren sind sie bereit aufeinander zu zugehen.

In welchen Bereichen werden Mediatoren aktiv?

Dort, wo Menschen miteinander kommunizieren.   Schwerpunktmäßig bei Familienkonflikten, Nachbarschaftsstreit, Arbeitskonflikte und zunehmend im öffentlichen Bereich.  Bei der gerichtsinternen Mediation wird  die Struktur der Mediation genutzt.  Die Konfliktparteien sollen selbst an ihrer Einigung arbeiten.   Diese kann tragfähiger als ein Gerichtsurteil sein.

Wie funktioniert Ihre Arbeit?

Meistens meldet sich eine Seite und die andere Seite muss von der beziehungsschonenden Weise der Mediation überzeugt werden. Es geht dabei nicht um Schuld,  wo wir nach hinten schauen, sondern   um eine sinnvolle Zukunft für beide Parteien.

Die Mediation läuft in einem geschützten Raum ab und ist vertraulich. Der Mediator vermittelt strukturiert zwischen den Parteien.  Nach einer Einführung benötigt eine Sitzung  etwa 2 Stunden.  In maximal 5 Stunden kann eine Lösung erarbeitet werden.   Sind  mehr Personen beteiligt,  wird mehr Zeit benötigt.

Die Abschlussvereinbarung wird von beiden Seiten unterschrieben. Sie kann auch vom Amtsgericht oder Notar beglaubigt werden.

Wer kann Mediatorenleistungen in Anspruch nehmen und wer zahlt?

Jeder kann die Mediation in Anspruch nehmen. Im Vorgespräch ist abzuklären wer zahlt. Die Stunde kostet zwischen 80 und 200 €. Das ist verhandelbar. Die meisten Rechtsschutzversicherungen bieten Mediation an, aber nicht bei Trennung und Scheidung.  Die Mediation der Güterichter läuft über die Prozesskostenhilfe.

Damit die sozial Benachteiligte auch unabhängige Mediatoren wählen können  bietet die Erfurter Mediationspraxis diese kostenlose  an. Der Verein sucht immer Sponsoren zur Finanzierung.

Wer wird Mediator und wie erlernt man diese Fähigkeit?

Aus allen Berufe, die mit Menschen zu tun haben und eine abgeschlossene Hochschul- Ausbildung nachweisen, können eine Mediationsausbildung machen.   Berufsbegleitend ist dies in Thüringen  in Erfurt oder Jena möglicheine, aber auch in Nürnberg, Hamburg,  Österreich oder der Schweiz.

Welchen Stellenwert hat Mediation inzwischen hier im Freistaat…gehen die Leute nun weniger zu Gericht, sind sie weniger streitsüchtig?
Oder anders gesagt, wie kompetent sind wir mit Streitfragen umzugehen – hat sich da etwas in den letzten Jahren verändert?

So langsam kommt Mediation ins Bewusstsein  und wird nicht mehr so häufig mit Meditation verwechselt.  Dass dieser Weg kostengünstiger, beziehungsschonender und nachhaltiger wirkt,  muss sich noch durchsetzen.   Das mag auch an unserer Prägung liegen einen Sieg erringen zu wollen, oder vor Gericht gewinnen zu wollen.  Toleranz duldet aber auch die Existenz und Sichtweise des Gegners. Die Mauern in unseren Köpfen lassen sich nur langsam und behutsam abbauen.  Weniger streitsüchtig sind wir in Thüringen nicht. In der Schülermediation und alternativen Konfliktlösungsmethoden lernen Kinder und Jugendliche eine andere Konfliktkultur.  Ich habe mit meiner Frau in der letzten Zeit in Küllstedt, Nordhausen und Ershausen Schülermediatoren ausgebildet.  Sie Begeisterung der Schüler  mit Konflikten   Gewaltlos umzugehen führt zu einer neuen Schulkultur.